Montag, 16. Oktober 2017

verwirrte Gedanken einer Amelie, die manchmal einfach so sauer auf Menschen ist

wisst ihr was mich an der Gesellschaft richtig abfuckt? Dass ihr alle denkt, wir Behinderten verstehen uns alle prima, sind am liebsten unter uns und überhaupt sind wir alle beste Freunde, weil Leidensgenossen.
Folgendes Beispiel :
Eine größere Feier, vielleicht ein Firmenfest, vielleicht eine Weihnachtsfeier.
"Ah, Frau Ebner, da sind sie ja. Wir haben sie an den Tisch zu den anderen Behinderten gesetzt, nah an der Toilette, dann haben Sies nicht weit."
(mir in der Art zum Glück noch nicht passiert, ich wette 10€, dass es mir so aber sicher mal passieren wird, weil die Menschen Halt einfach dumm sind und nichts lernen.)

Warum? Warum? WARUM?
Wenn jemand fett ist sag ich auch nicht "Oh hallo, wir haben sie zu den anderen übergewichtigen gesetzt, nah ans Buffet, damit Sies nicht so weit haben."

Warum werden wir behinderten immer zusammen getan? Warum denken alle, weil man auch eine Behinderung hat, versteht man sich automatisch mit jedem, dem auch was fehlt.
"Ich hab ein Freund XY, der sitzt auch im Rollstuhl, ich kann euch ja mal bekannt machen"
"Oh schau, da ist ein anderer Rollstuhlfahrer, setz dich doch zu ihm, ihr könnt euch bestimmt toll unterhalten"
"Wir haben für die behinderten die erste Reihe frei gemacht, da könnt ihr euch schön zusammen setzen"

Halts Maul einfach. Wirklich. es kotzt an. Ich bin ein Mensch, und will mit Menschen reden. Und zwar unabhängig davon ob behindert oder nicht. Aber ich will es mir eben aussuchen können und nicht, nur weil ich behindert bin, an einen Tisch mit lauter anderen behinderten sitzen, die darauf genauso wenig Bock haben wie ich.
Zumindest dann, wenn auch noch nicht-behinderte anwesend sind. Reha oder meinetwegen irgendwelche Selbsthilfegruppen sind etwas anderes. Da geh ich ja hin, weil ich irgendein Problem hab und bin froh über einen Austausch unter gleich gesinnten.
Aber in jeder anderen Alltagssituation bin ich Mensch, wie jeder andere auch.
Noch dazu versteh ich mich nicht automatisch mit behinderten. Da gibts genauso Arschlöcher mit denen ich nichts zu tun haben will, wie unter allen anderen Menschen.
Ich brauch mich nicht mit einem 50 jährigen Mann zusammensetzen, der ein Depp ist, sein Leben hasst und rum heult und mich mit ihm austauschen, weil er "auch im Rollstuhl sitzt". Hab ich nichts von, brauch ich nicht.

Ich wollte eigentlich über etwas ganz anderes schreiben, aber jetzt hab ich mich wie sooft in meinen Gedanken verrannt. Egal, jetzt bin ich auch zu faul und zu müde meine Gedanken und meinen Beitrag zu sortieren. (12 Stunden Uni, nach 3 Monaten Ferien sind doch etwas hart)
Also viel Spaß beim entziffern und versuchen es zu Verstehen. (Witzig, weil ich mir gebrauch das heute in der Vorlesung für Sachenrecht zweimal dachte)






Kommentare:

  1. Du hast recht, mit so was muß man definitiv rechnen, das passiert. Allerdings würde ich im Regelfall davon ausgehen, daß hier eine Diskriminierung zwar faktisch vorliegt, aber dennoch nicht beabsichtigt ist. Vielmehr dürfte eine auf Denkfaulheit (bzw. - weniger polemisch - Informationsmangel) beruhende Überlegung ausschlaggebend sein: "Gleich und gleich gesellt sich gern" ist ein empirisch gut abgesicherter Gemeinplatz, und daß du vielleicht bestimmte Interessen hast, über die du dich lieber unterhältst als über Behinderungen, kann man dir (und auch sonst niemandem) nun mal nicht ansehen. Das kriegt man nur raus, wenn man sich mit dir näher beschäftigt, und dazu fehlt in vielen Fällen im Leben Zeit und Gelegenheit. Sehr wohl aber hat man (und habe ich selbst) vielfache Gelegenheit zu sehen, wie sich homogene Minderheitsgruppen aus freiem Willen zusammenschließen um sich so gegen eine womöglich bedrohliche Umwelt abzusichern. In der Unimensa habe ich immer nur nationenreine Chinesen- und Spaniertische gesehen, ebenso auch in der Kantine des Unternehmens, für das ich arbeite. Dort findet man zudem gerne Übersetzer, die ausschließlich mit Übersetzern essen gehen, etc. etc. pp.
    Ich will damit sagen, das ist irgendwie menschlich, und wenn man's oft genug gesehen hat, findet man's normal. Vor diesem Hintergrund würde ich dem Zeremonienmeister, der dich an einen Behindertentisch setzt, sogar die besten Absichten unterstellen (zu deinem Entsetzen, ich weiß), und die betreffende Person wäre mit Sicherheit vollkommen entgeistert, erführe sie, was du davon hältst. Da hilft dann nur reden - darüber, daß du an genau diesen Tisch nun wirklich nicht möchtest, sehr wohl aber an den dahinten in der Ecke, wo deine Kumpels rumhängen.
    Trotzdem einen guten Semesterstart wünscht

    Claus
    (der diesen Wunsch schon an anderer Stelle geäußert hat, aber doppelt gemoppelt hält besser ;-)

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  2. Dir ist schon klar, dass nicht neben einem 50jährigen sitzen zu wollen "ageism" darstellt? ;-) Vor dem Schreiben immer mal nachdenken...

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  3. Ich kann mich noch erinnern als meine Eltern mich wegen meiner Halbseitenlähmung in eine Schule für Körperbehinderte anmelden wollten. Damals war das alles cool und ich habe mich als 6jähriger echt gut mit allen verstanden, aber dann hieß es, dass ich ja nicht so stark behindert sei und ich doch auf eine Regelschule gehen solle. Und das bin ich dann auch.

    Und als ich dann Fußball spielen wollte, meldete mich meine Mutter eben einfach im Fußballteam dieser Schule an. Ich ging aber nur zwei mal hin, eben weil mein Freundeskreis nicht in dieser Schule lag und ich einfach keine Bezugspunkte und Gemeinsamkeiten mit diesen Leuten hatte.

    Und so zieht sich das halt über die Jahre hin.

    Irgendwie schon lustig wie alle wissen was als Behinderter gut für dich ist, außer du selbst. -Augenroll-

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  4. Hallo Amelie,
    ich bin zufällig über deinen Blog gestolpert, hab ein bisschen darin herumgestöbert und muss sagen: sau-stark, sau-offen, sau-ehrlich, sau-entwaffnend und sau-gut.
    Mich hat es mit 50 Jahren bei einem Fußballspiel erwischt, das ganze vor vier Jahren. Mein Zustand: wer den Film „Ziemlich beste Freunde“ kennt, kennt auch meinen Zustand. Leider bin ich nicht mit der entsprechenden Kohle, dem Maserati und dem Drumherum ausgestattet.
    Egal, auf jeden Fall kann ich vieles von dem, was wie du es schreibst absolut nachvollziehen. Schreibt weiter so! Ich werde deine Seite auf jeden Fall noch öfter besuchen und lesen.
    Viele Grüße, Bernd

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  5. Hallo Amelie,
    ha, das Gefühl kenne ich! Bei mir im Studiengang sind wir nur 7% Frauen. Und alle denken, wir müssten automatisch bestens befreundet sein... Mir sind die Jungs 100x lieber und ich habe keinen Bock auf erzwungene Mädels-Events mit Leuten, mit denen ich nie im Leben befreundet wäre, wenn wir nicht zufällig im gleichen Hörsaal säßen und Brüste haben.
    Nervt! Volles Verständnis! Setz dich hin wo es dir passt!
    LG

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