Montag, 9. Juli 2018

Versuchs doch mal mit Skifahren!

"Ich hab gesehen, es gibt die Möglichkeit für Rollstuhlfahrer Ski zu fahren, Monoski oder so"
"Auch im Rollstuhl kann man tanzen. Komm, ich zeig dir den Walzer"
"Du kannst wieder reiten, das ist ganz leicht möglich. Da wirst du mit einem Lift auf ein Pferd gesetzt und los gehts"

...

Zunächst bin ich ja schonmal dankbar, wenn Leute wissen, dass Sport auch im Rollstuhl/mit Querschnitt möglich ist. 
ABER. 
Aber.
ABERR!
Es ist nicht das gleiche. 
Und es nervt so unendlich, wenn Leute die keine/ zu wenig Ahnung haben Ratschläge erteilen. 
Mich nervt ja soweiso , wenn Leute wissen zu glauben, was das beste für mich ist. 
Vorschläge gerne! Vorschriften nicht bei mir!

Ich habe Skifahren geliebt. Und ich würde es immer wieder tun. 
Ich habe das Gefühl von Schnee unter den Skiern geliebt. Die Berge. Und bis dahin wäre es vermutlich dasselbe im Rollstuhl/Monoski.
Aber noch mehr habe ich das Gefühl von Freiheit geliebt. Die Geschwindigkeit, das Gefühl, wenn die Ski unter den Füßen in scharfen Kurven vibrieren, das Schnee in den Kurven aufschleudern, das Selbstständige entscheiden wo ich lang fahre. 
Und jetzt in den Monoski:
festgegurtet auf einen Schlitten, kein Ski, weil ich das Gleichgewicht nicht halten kann. Ständig jemand hinter mir, der mich hält, der mich lenkt, der entscheidet wo es lang geht. Ständig Angst, weil du NICHTS kontrollieren kannst. Ständig Angst umzufallen, weil du keine Kontrolle hast. Abhängig sein. Ist das Sport? Merkt ihr was?
Es gibt die Möglichkeit, ja. Aber es wäre etwas komplett anderes. Für mich persönlich. 
Natürlich werde ich es versuchen. Weil ich die Berge liebe, den Schnee. Und wenigstens einen Bruchteil zurück haben will, von dem was ich so geliebt habe. Und ich bin sicher es wird Spaß machen. Ich werde voller Adrenalin sein und glücklich. Aber bei jedem einzelnen Skiausflug als Fußgängerin werde ich glücklicher gewesen sein. Freiheit. 
Ich wäre glücklich, aber umso trauriger wäre ich auch. Weil ich mich daran erinnern werde, wie es früher war. Und ich als alter Verdränger, vermeide solche Situationen liebend gern. Selbstschutz.

Etwas ähnliches wäre das Hundeschlittenfahren. Nur würde mir das vermutlich um einiges mehr Spaß machen. Das würde ich gerne machen. 
Also nicht: Es gibt die Möglichkeit! Mach das.
Wie wärs mit: Hast du Lust drauf?
Ich sag doch auch nicht: Hast du gehört? Man kann Leichtathletik turnen. Mach das doch.


Reiten. Gleiches Spiel. Ich kann mich auf ein Pferd setzen lassen. Ja. Ich werde immer jemanden hinter mir haben müssen, der mich hält. Werde nie Schenkelhilfen geben und entscheiden wo es lang geht. Werde nie ohne die ständige Angst herunterzufallen, weil ich mich nicht halten kann, sitzen. Werde das Pferd nicht unter mir spüren. 
Auf ein Pferd setzen werde ich mich trotzdem wieder. Ebenfalls um ein kleines Stück vom alten Glück zu empfinden. Und weil es für Spastik und Stabilität gut ist. Aber es ist nicht mehr das reiten, das ich kenne.

Auch tanzen hat mir Spaß gemacht. Aber tanzen im Rollstuhl hab ich versucht und es macht mir null Spaß. Ich fühle mich affig und beschämt mich. Warum zwanghaft das alte Leben zurück wollen?
Es gibt anderes. 
Rugby. 
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, als Fußgängerin Rugby zu spielen. Ich kenne keine einzige Regel, hab noch nie ein Spiel gesehen. 
Aber Rollstuhlrugby ist geil. Und das ist mit Fußball vergleichbar. Es geht um Taktik, Teamfähigkeit, Überblick. Selbst entscheiden können, wohin man fährt. Wo man sich nützlich machen kann. Sich verausgaben. Das ist geil. 
Rollstuhlrugby ist nicht wie Fußgängerrugby. Und das ist gut, das macht mir Spaß. Das will ich.
Ich bin früher nur Fahrrad gefahren, wenn ich wohin musste. Mit meinem Hund unterwegs war. Nie als Sport. 
Jetzt fahre ich Handbike. Und es ist das geilste Gefühl. Und das ist vergleichbar mit joggen. Man verausgabt sich, ich bin unabhängig, entscheide wo ich hinfahre. Das macht mir Spaß.

Nur weil du als Fußgänger einen Sport gemacht hast, heißt das nicht, dass dir das gleichnamige  als Rollstuhlfahrer Spaß macht. Natürlich kommt das häufig vor.
Und für viele ist das Skifahren als Fußgänger und das Monoski gleich gesetzt. Jemand, der nie Skigefahren ist, findet vielleicht gefallen am Monoski-fahren. 
Aber ich eben nicht.
Und ich entscheide selbst was mir Spaß macht.
Und es nervt, dass Leute einen in etwas Stecken wollen, weil es mir als Fußgängerin Spaß gemacht hat. 
Es ist anstrengend.

und was ihr zumeist von mir als Antwort auf eine der eingangs erwähnten fragen hören werdet:

"Ja, hab ich gehört. Macht bestimmt genauso viel Spaß. Werde ich versuchen."

Weil Leute es sowieso nicht verstehen werden. 










Donnerstag, 28. Juni 2018

Tracheostoma-Trauma

Ich hab mittlerweile mein Hubschrauber-Trauma überwunden. Wenn ich einen Hubschrauber höre, sehe ich nicht mehr auf der Ski-Piste liegend den Himmel über mir. Ich hab noch ein mulmiges Gefühl, aber es löst keine Panik aus.
Aber eine Sache, über die bin ich noch immer weh.
Und es tut mir jedes Mal leid, für alle die betroffen sind, die ich ignorieren muss, aber ich kann nicht anders
"Hä? was? versteh ich nicht..."
Es geht um folgendes: Die Beatmung.
Darüber sprechen ist für mich schon etwas schwierig. Aber ich trenne meistens einfach. Erzähle und denke dabei einfach nicht an mich, die das durchlebt hat. Oft fühlt es sich auch einfach so an, als würde ich über jemand anderes reden. Die Geschichte irgendeiner Person erzählen und nicht meine.
Aber darüber reden kann ich. Ich wurde beatmet. Jeden Tag mehrmals ein Schlauch durch ein Loch in meinem Hals in meine Luftröhre Gesteckt und Schleim abgesaugt. Ich musste Atmen lernen. Hatte bei jedem Säubern dieser Tracheostoma schmerzen. Ok, ich kann doch nicht drüber schreiben, mir wird schon wieder komisch. Es war nicht schön.
Ich hab lange gebraucht, bis Menschen überhaupt in die Nähe von meinem Hals durften.
Und eine Sache kann ich bis heute nicht: Bilder ansehen.
Egal ob von mir, oder von anderen. Wenn ich jemanden sehe, der beatmet wird, beginnt mein Herz zu rasen, ich hab sofort das Gefühl wieder, etwas in meinem Hals stecken zu haben, mich nicht bewegen zu dürfen, aus Angst es herauszuziehen. Mir wird schwindelig und ich bekomm Panik.
Und so geht es mir schon, wenn ich Bilder sehe.
Im Krankenhaus noch, als ich die Beatmung schon los war, saß beim Essen neben mir ein Mann, der noch beatmet wurde. Dieses Geräusch. Dieses Rasseln. Ich konnte nichts essen un musste  ich weg setzen.
Reha 2017. Eine Frischverletzte war dort. Noch beatmet. Sie hat mich zweimal angesprochen. Ich konnte sie nicht anschauen. Ich hab mich so schlecht gefühlt, ich bin eigentlich kein Arschloch. Aber Ich konnte es einfach nicht. Ich konnte ihr nicht zuhören. Mir wurde schwindlig und schlecht. Alles einfach. Ich schätze, das werd ich wohl nie wieder los.
Wenn ihr die scheiße durchmacht: durchhalten.
Wenn ihr Dauerhaft beatmet werdet: meinen aller größten Respekt.
Wenn ihr beatmet werdet und mich seht: Es tut mir leid, wenn ich euch nicht anschaue. Wenn ich mich verpisse, aber ich kann es nicht. Es löst eine riesen große Angst in mir aus.

Sonntag, 13. Mai 2018

Zicke.

"Nicht alle sind so zickig wie Amelie. Manche sind sogar einfach nur nett. Amelie selbst wünsche ich viel Reife, Empathie und Zufriedenheit."


ich les mir ja hin und wieder Bewertungen zu meinem Buch durch. Und die aller meisten sind wirklich unglaublich süß. Ich bekomm auch immer wieder Nachrichten und freu mich jedes Mal.
Egal ob: dein Buch hat mit gezeigt, wie wenig ich über Querschnitt weiß; dein Buch hat mir geholfen; dein Buch erklärt gut, wie es ist als Rollstuhlfahrern usw. Ich freu mich jedes Mal.

Nur gibt es auch Bewertungen, die mich nicht im positiven Sinn berühren. 
Ich liebe konstruktive Kritik. Ich muss zwar zugeben, ich muss noch lernen mit Kritik umzugehen, das kann ich nach 22 Jahren noch immer nicht wirklich, weil ich mich oft dabei ertappe, wie ich konstruktive Kritik, gutgemeinte Ratschläge usw. persönlich nehme. Aber ich lerne eben noch. 

Deswegen seh ich die meisten kritischen Bemerkungen auch positiv, eben um mich zu Verbessern. Dafür sind sie ja eben auch da. 

Aber. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich mich nicht aufregen würde. Mich regt auf, falsch verstanden zu werden. Und noch viel mehr regt mich auf, wenn ich mich nicht rechtfertigen kann. 

Als ich den Kommentar am Anfang das erste Mal gelesen hab, dachte ich mir: Fresse, ich bin nicht zickig. 
Warum nennen einen alle immer "zickig", nur weil man als junge Frau seinen Mund aufmacht.
Man wird als frech, zickig, vorlaut abgestempelt. Nur, weil man jung und weiblich ist. Warum? Ich bin immer respektvoll zu anderen Menschen, nur lass ich mir halt nicht alles gefallen. Und ich sag, wenn mir etwas nicht passt. 
Ich bin nicht zickig. Dachte ich. 

Dann hab ich "zickig" gegoogelt. Und Synonyme: 
aufmüpfig · aufsässig · dickköpfig ·eigensinnig · renitent · respektlos · trotzig ·unartig · unbotmäßig · ungehorsam ·widersetzlich · zickig (ugs.)


Eigensinnig, trotzig, aufmüpfig... joa. würde ich fast so unterstreichen.
respektlos? selten. Wie du mir, so ich dir.
unartig? kommt vor.
ungehorsam? immer. Einfach weil keiner mir vorzuschreiben hat, was ich tun und lassen kann, wenn ich es wirklich nicht will.

All die Worte treffen zu. Aber nicht zickig.

Ich kann mir Vorstellen, warum Leute so denken. Einen hab ich bereits genannt. junge Frau + sagt, wenn ihr etwas nicht passt = zickig. (so denken die meisten der Männer, die noch nie von Emanzipation gehört haben und Frauen, die noch nicht festgestellt haben, dass man nicht mehr brav nach des Mannes pfeife tanzen muss; sorry für den Hass an dieser Stelle, aber ich hab für solche Menschen wenig Verständnis. call me zickig.)
Und: wahrscheinlich bin ich auch selbst Schuld.
und jetzt möchte ich mich eben nochmals rechtfertigen:
Mein Buch/mein Blog handelt gerade von dem Leben als Querschnitt. Und was man da erlebt, macht einen einfach wütend und genau dafür hab ich meinen Blog. Als mein persönliches Ventil. Und auch mein Buch ging um meine Gefühle. Meine Erfahrungen und meine Enttäuschungen.
Ich bin niemand, der sich ständig aufregt. Meistens sind mir Sachen ziemlich egal. Die Mentalität von  einem Papa, der der ausgeglichenste Mensch der Welt ist. Aber. Wenn, ich mich aufrege, dann eben 150%. Und meine Mama kommt durch. Vielleicht denken manche, ich würde mich ständig aufregen, weil sie meinen Blog sehen, und wie ich mich in jedem zweiten Post aufrege und beschwere. Aber die Abstände dazwischen sieht keiner. Wenn es etwas gibt, über das ich mich aufregen kann, dann schreib ich - eben als mein Ventil - darüber in meinem Blog. Das sind die mit durchgehend Rechtschreibung, Grammatikfehlern. Mit Schimpfworten und mit Enttäuschungen. Einfach meine ungefilterten Gedanken.
Wenn etwas schönes passiert, wie eben die ganze Zeit zwischen den Beiträgen, genieß ich den Moment. Hab nicht das Bedürfnis mich auskotzen zu müssen. Und Berichte dann ggf. erst später.
Und die meisten Dinge, die mich aufregen, waren (!) es meine alten Freunde und sind alle anderen Sachen, die mit dem Rollstuhl zusammenhängen. Abgelehnte Anträge, Kampf mit den Kassen, angestarrt werden, unsensibele Menschen. Und genau das ist Querschnitt. Und mein Buch "wie ich mich mit 17 im Rollstuhl wiederfand", ist nichts anderes. Eine Zusammenfassung meines Querschnitts.
Aber das bin nicht nur ich. Ich bin mehr als mein Querschnitt.

Vielleicht hab ich mir eine multiple Persönlichkeit angeeignet. Und das Querschnitt-ich muss einfach zickig sein. Wenn du dich mit einem "abgelehnt" zufrieden gibst, bleibst du eben liegen oder robbst auf dem Boden weiter, weil kein Rollstuhl da ist. Wenn du auf "es gibt eine Schule, die Speziell für dich gemacht ist", nicht mit "Nein, ich will hierbleiben"antwortest, wirst du abgeschoben. Wenn du deinen "Freunden" und Mitmenschen nicht sagst, wie verletzt du bist von dem Verhalten der Freunde, werden sie so weiter machen. Wird der nächste Querschnittgelähmte Wochen lang alleine vor dem Fernseher sitzen und sich freuen, wenn die Schule wieder losgeht, damit wenigstens irgendwas passiert. Gäbe es keine Rollstuhlfahrer, die sagen, dass sie nicht behandelt werden wollen, wie aussätzige. Wir würden alle noch so behandelt werden.

Ich bin froh, dass ich zickig bin.



PS: Ich bin zufrieden. Und Empathie ist ausbaufähig, aber für die richtigen Menschen vorhanden.



Sonntag, 6. Mai 2018

Ich war mal gut.

Ich hasse neue Leute kennen lernen.

Ich hasse neue Leute kennen lernen, die mich nicht vor dem Unfall kannten. Die mich nur als querschnittgelähmt kennen.

Warum?

Weil ich mir jedes mal denke: verfickte Scheiße, ich war nicht immer so. Ich sah mal viel geiler aus. Schau mal, wie trainiert meine Beine sind. Schau, mein Sixpack. Gib mir den Ball, ich zeig dir einen Trick. Schau, ich hab ein Tor geschossen. Schau, wie ich dir beim Skifahren davonfahre. Komm mit zu meinem Pferd, ich zeig dir, wie ich reiten kann. Ich geh  joggen, kommst du mit? Ich bin offen und geh auf Leute zu. Umarme meine Freunde, wenn mir danach ist. Ich bin immer vorne dabei. Kein Holz mehr? Warte, Ich geh Holz hacken.  ich koch dir was, Ich geb dir nen Arschtritt, wenn du mich blöd anmachst. Schau, wie schnell ich bin.
Und jetzt?
Meine Beine waren trainiert, ich hatte ein Sixpack, ich war sportlich, glaub mir, war ich wirklich. Ich konnte auch  Fußball spielen. Ich konnte auch gut Skifahren, wirklich. Ich konnte halbwegs reiten. Ich war oft joggen, hab gerne trainiert. Ich bin offen auf Leute zugegangen, hab meine Freunde umarmt, wenn mir danach war. Ich hab scheiße gebaut. Ich war immer vorne dabei. Ich hab Holz gehackt, ich hab gekocht. Ich hab dir nen Arschtritt gegeben, wenn du mich blöd angemacht hast. Ich hab Tore geschossen, ich konnte Tricks, ich war schnell. Wirklich.


Ich hab kaum mehr Kontakt zu alten Freunden, Bekannten. Leute, die mich kennen lernen, lernen mich so kennen, wie ich bin.
Keiner sagt "Ich weiß noch, wie du damals bei den Bundesjugendspielen das entscheidende Tor gemacht hast."


Ich kann nicht mehr zeigen, wie ich war. Ich hab kaum Videos. Das letzte Video, das mich Skifahren zeigt, zeigt mich im Alter von 3 Jahren. Da fahr ich schon extrem gut, das kann ich zeigen. Aber ich werde nie zeigen können, wie gut ich jetzt fahre.
Wenn ich Jungs Fußball spielen sehe, kribbeln meine Beine. Ich will zeigen, dass auch ich was drauf hab. Ich sitze am Rand und schau zu.
Ich will nicht immer beweisen müssen, wie gut ich war. Ich werde es nie beweisen können.
Ich hätte gerne ein Video, das mich zeigt, wie ich Fußball gespielt habe, wie ich Skifefahren bin, wie cool ich war. Ich will zeigen "siehst du, das bin ich."
Ich werde dasitzen, und mein Mann, meine Kinder, meine Freunde, werden nie wissen, wie gut ich war.


Ich werde immer nur sagen können. "Ich hab mal Fußball gespielt."

Donnerstag, 29. März 2018

Lawisintheair

"Du bist Jurastudent wenn für dich das Wort Hausarbeit ein Synonym für Semesterferien ist"

Ah du hast Semesterferien? Schön, tut gut mal frei zu haben, oder?


......

Also ich hab wie so oft nicht aus meinen Fehlern gelernt: Ich hab die Semesterferien wieder komplett falsch geplant und genutzt.
Ich hab mir vorgenommen ein Wenig Pause zu machen, meine Hausarbeit in Strafrecht (#strafarbeit) schreiben, meine Seminararbeit schreiben und das letzte Semester wiederholen. Vor allem Sachenrecht und Strafrecht.
Ich hab die erste Woche komplett frei gemacht. Und mir dann langsam Gedanken zu meiner Hausarbeit gemacht. Und dann gings los. Mir ab da, fast 2 Monate durch gehend stress gemacht. Und mit Stress machen meine ich: Nachts panisch aufwachen, weil man geträumt hat, morgen ist Abgabe, ich bin nicht fertig.  Nur Albträume haben. Anfang März war es wirklich schlimm. Ich konnte keine Sekunde abschalten, weil ich nur dachte: ich schaff das nicht. Ich hab nur an meiner Arbeit geschrieben und hab trotzdem gefühlt nichts geschafft.
Jetzt komm ich so langsam in den fuck off modus und denk mir nur: ich hab kein bock mehr, ich will irgendwie einfach nur bestehen. Aber zum Glück keine Panikattacken mehr. (Ok nicht mehr so viele)
Aber gelernt hab ich natürlich kaum. Was mich schon wieder stresst.

Es gibt halt 2 Probleme.
Problem 1: Ich bin nicht überragend schlau. Ich bin kein Genius, merk mir Sachen nicht nach einmal hören, kann mir Sachen nicht aus dem Stegreif herleiten. Ich muss das halt (wie viele andere auch) mit Fleiß ausgleichen. Also lernen, lernen, arbeiten.
Das gute ist dabei: ich lern meistens ganz gerne. Wenn mich die Arbeiten wieder zu sehr gestresst haben und ich wieder kurz vorm Aufgeben war, hab ich mich entspannt, indem ich gelernt hab. Und ungezwungenes lernen entspannt mich wirklich. Trotzdem hab ich dann halt eben nur Jura gemacht und ich hätte gern auch mal ein bisschen Pause gemacht.
aber da kommen wir auch schon zu
Problem 2: Ich stress mich selber. Ich stress mich selber immer viel zu viel, aber ich kann nicht anders. Sobald ich etwas mache, was nicht mit Jura zu tun hat, bekomme ich ein schlechtes gewissen (allein jetzt, während ich hier schreibe und weiß, dass, wenn ich dieses Fenster schließe, die Hausarbeit auf dem screen auftaucht.) Aber! ich glaube das liegt nicht unbedingt an Jura, sondern so würde es mir in jedem Studium gehen. Das gute ist, alle sagen "Oh Jura, voll schwer" und mein gewissen sagt sich: stimmt, ich darf überfordert sein, Jura ist halt schwer.
(Wobei ich eigentlich denke, dass jeder Studiengang einen überfordern kann und es einfach auf die Person ankommt)
Ich bin immer noch glücklich mit meiner Wahl. Gesetzesbücher finde ich noch immer einfach geil. Wenn ich einen Schönfelder sehe, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. (Ich glaub ich studier nur, bis ich endlich einen Schönfelder habe) Strafrecht ist so faszinierend. Verwaltungsrecht hat mir das letzte Semester verdammt gut gefallen. Sachenrecht und ich werden auch langsam warm.
Nur die Arbeiten stressen mich immer. Ich freu mich aufs Semester, wenn es wieder ruhiger wird und ich endlich diese Arbeiten im Kopf abhacken kann.






Samstag, 17. Februar 2018

Nein heißt Nein

Ich muss mich verbessern. Ich glaube, ich hab mal gesagt/geschrieben, dass es mich stört, wenn Leute mir ihre Hilfe anbieten. Jedenfalls so etwas in die Richtung.
Das ist falsch. Ich mag, wenn Leute Hilfe anbieten. Ich weiß jetzt, was mich nervt.

Es ist immer schön, wenn Leute ihre Hilfe anbieten. Oft bin ich doch zu stolz um nach Hilfe zu fragen. Und lange Zeit hab ich auch ohne darüber nachzudenken jede Hilfe abgelehnt, obwohl ich genau wusste, dass ich es allein nicht schaffe.
Beispiel:
Ich stehe im Supermarkt. Die Schokolade, die ich will ist ganz oben im Regal (wie immer…). Ich starre sie an.
Eine Frau kommt: „Kann ich ihnen Hel-„ – „Nein, Danke, geht schon.“, unterbreche ich – ohne Nachzudenken – bereue es noch im selben Moment und nehme die billige Schokolade, aus dem unteren Fach.
Warum? Weil ich mir nicht Helfen lassen wollte.
Gerade in meiner Anfangszeit konnte ich nichts. Alle um mich mussten mir helfen. Ich konnte mich kaum bewegen. Nach der Zeit kamen mehr funktionen und Fähigkeiten zurück. Ich hab dazu gelernt. Aber ich glaube für alle um mich, war es sehr schwer, nicht zu helfen. Ich hab gerne selbst probiert. Wollte Selbstständig werden. Mit Selbstständig meine ich: Alleine Zähne putzen. Wir waren Mittags oft im Aufenthaltsraum und haben Tee und Kaffe getrunken. Mir wurde das Getränk immer vorgestellt, Strohhalm rein und ich hab getrunken. Ich wollte es wieder selbst versuchen. Ich hab Wasser eingeschenkt, die Verpackung des Teebeutels geöffnet (was mit am schwierigsten war), den Teebeutel in die Tasse, Zucker geöffnet und in die Tasse. Umgerührt. Das alles hat 20 Minuten gedauert. Das Wasser war kalt. Aber es war der beste Tee, den ich je getrunken hab. Es war mein Werk. Meine Oma war dabei und wollte immer dazwischen greifen. Ich hab jedes mal gesagt, sie soll mich lassen, ich schaff das. Und ich habs geschafft und hab immer mehr selbst geschafft, WEIL ich Hilfe abgewehrt hab. Ich wäre nie dort, wo ich jetzt wäre, hätte ich die Hilfen angenommen. Ich hätte nie gelernt, Tee einzufüllen, mich zu schminken, usw. wenn ich mir immer helfen lassen würde. Und ich glaub, ab da hatte ich diesen Tick. Jede Hilfe abzuwehern. Es war wie programmiert. Wenn ich etwas mache, muss ich mindestens zehnmal sagen: „lass mich, es geht, ich schaff das, ich wills alleine versuchen.“ Und das wurde wirklich so ein eingespielter Satz. Jedesmal das gleiche.


Und jetzt komm ich zu dem was mich stört:
Es ist nicht das Hilfe anbieten an sich. Ich freu mich, wenn jemand Hilfe anbietet. Ich habe gelernt Hilfe anzunehmen und wenn ich etwas wirklich nicht Schaffe, frage ich auch nach Hilfe. Ich kauf mittlerweile nicht mehr die billige Schokolade, sondern Frage jwmanden, ob er mir die gute Schokolade runtergeben kann. Und für beide hat es etwas gutes: die Person freut sich, einer armen Rollstuhlfahrerin geholfen zu haben und füllt gedanklich Karmapunkte auf und ich hab meine Schokolade.
ABER. ABER!! Wirklich fettes ABER.
EINMAL Hilfe Anbieten ist genug. Und wenn ich sage „Nein“ dann heißt das auch nein. Wenn ich sage „ich schaff das“ mein ich das auch so. Nein heißt Nein. Lernt das.
Wenn ich die Hilfe nicht annehme, und ich dadurch die billige Schokolade essen muss, ist das mein Problem. Aber meistens brauch ich die Hilfe dann wirklich nicht. Es ist auch ganz oft so, dass diese gut gemeinte „Hilfe“ dann nur mehr hinderlich als hilfreich ist.
Es kommt so oft vor, dass ich meine Jacke irgendwo anziehe, und wildfremde Leute herkommen und mir helfen. Ich sag „Nein, es geht“ „Bitte nicht“, aber das wird überhört und „doch doch, ich helf gern.“ Und ich falle mit meinem Oberkörper auf meine Knie nach vorne über, zwick mir meine hände ein und hab Probleme mich wieder aufzurichten. Warum? Jacke anziehen ist für mich der reinste Gleichgewichtsakt. Ich muss mich mit meinem Oberkörper nach vorne lehnen, langsam in einen Ärmel, immer das Gleichgewicht versuchen zu halten (keine Rumpfstabilität) und langsam in den anderen Ärmel. Das geht langsam, weil ich einfach die ganze Zeit ausbalancieren muss. Und dann kommen Leute an, reißen an der Jacke rum. Und solche Situationen gobt es viele. Mir wird etwas aus der Hand genommen, mir werden die Beine bewegt, wenn ich zum Beispiel in der Physio auf die Bank umsetze, ich bekomme eine Spastik und lande auf der Schnauze.
Es ist nett gemeint, ich weiß. Aber es hilft kein Stück, ganz im Gegenteil. Und wenn ich sage „Nein“ versteht das keiner. Manchmal wird ich dann nach dem dritten „Nein, bitte nicht!“ lauter und die Leute sind verdutzt. Ich versteh euch ja auch, aber versteht bitte auch mich. Nein heißt Nein. Und „Finger weg“ heißt „Finger weg.“. Egal in welcher Situation.
Ich hoffe die Leute lernen das. Und respektieren das. Es macht mich oft sehr wütend.
„Amelie du musst lernen Hilfe anzunehmen“
Ja! Ich musste lernen Hilfe anzunehmen. Und das kann ich. Aber ich muss keine Hilfe annehmen, wenn ich etwas alleine kann. Lasst mir doch das bisschen Selbstständigkeit. Warum Hilfe annehmen, wenn es funktioniert?
Warum nicht auf ein „Nein“ hören, wenn es so deutlich gesprochen wird?
Warum nicht auf den Menschen hören, dessen Körper es ist?
Warum nicht einfach mal zuhören?





Freitag, 2. Februar 2018

5 Jahre, was soll ich sagen. Ich Sitz noch immer, shit happens get over it.
Gute Nacht