Samstag, 17. Februar 2018

Nein heißt Nein

Ich muss mich verbessern. Ich glaube, ich hab mal gesagt/geschrieben, dass es mich stört, wenn Leute mir ihre Hilfe anbieten. Jedenfalls so etwas in die Richtung.
Das ist falsch. Ich mag, wenn Leute Hilfe anbieten. Ich weiß jetzt, was mich nervt.

Es ist immer schön, wenn Leute ihre Hilfe anbieten. Oft bin ich doch zu stolz um nach Hilfe zu fragen. Und lange Zeit hab ich auch ohne darüber nachzudenken jede Hilfe abgelehnt, obwohl ich genau wusste, dass ich es allein nicht schaffe.
Beispiel:
Ich stehe im Supermarkt. Die Schokolade, die ich will ist ganz oben im Regal (wie immer…). Ich starre sie an.
Eine Frau kommt: „Kann ich ihnen Hel-„ – „Nein, Danke, geht schon.“, unterbreche ich – ohne Nachzudenken – bereue es noch im selben Moment und nehme die billige Schokolade, aus dem unteren Fach.
Warum? Weil ich mir nicht Helfen lassen wollte.
Gerade in meiner Anfangszeit konnte ich nichts. Alle um mich mussten mir helfen. Ich konnte mich kaum bewegen. Nach der Zeit kamen mehr funktionen und Fähigkeiten zurück. Ich hab dazu gelernt. Aber ich glaube für alle um mich, war es sehr schwer, nicht zu helfen. Ich hab gerne selbst probiert. Wollte Selbstständig werden. Mit Selbstständig meine ich: Alleine Zähne putzen. Wir waren Mittags oft im Aufenthaltsraum und haben Tee und Kaffe getrunken. Mir wurde das Getränk immer vorgestellt, Strohhalm rein und ich hab getrunken. Ich wollte es wieder selbst versuchen. Ich hab Wasser eingeschenkt, die Verpackung des Teebeutels geöffnet (was mit am schwierigsten war), den Teebeutel in die Tasse, Zucker geöffnet und in die Tasse. Umgerührt. Das alles hat 20 Minuten gedauert. Das Wasser war kalt. Aber es war der beste Tee, den ich je getrunken hab. Es war mein Werk. Meine Oma war dabei und wollte immer dazwischen greifen. Ich hab jedes mal gesagt, sie soll mich lassen, ich schaff das. Und ich habs geschafft und hab immer mehr selbst geschafft, WEIL ich Hilfe abgewehrt hab. Ich wäre nie dort, wo ich jetzt wäre, hätte ich die Hilfen angenommen. Ich hätte nie gelernt, Tee einzufüllen, mich zu schminken, usw. wenn ich mir immer helfen lassen würde. Und ich glaub, ab da hatte ich diesen Tick. Jede Hilfe abzuwehern. Es war wie programmiert. Wenn ich etwas mache, muss ich mindestens zehnmal sagen: „lass mich, es geht, ich schaff das, ich wills alleine versuchen.“ Und das wurde wirklich so ein eingespielter Satz. Jedesmal das gleiche.


Und jetzt komm ich zu dem was mich stört:
Es ist nicht das Hilfe anbieten an sich. Ich freu mich, wenn jemand Hilfe anbietet. Ich habe gelernt Hilfe anzunehmen und wenn ich etwas wirklich nicht Schaffe, frage ich auch nach Hilfe. Ich kauf mittlerweile nicht mehr die billige Schokolade, sondern Frage jwmanden, ob er mir die gute Schokolade runtergeben kann. Und für beide hat es etwas gutes: die Person freut sich, einer armen Rollstuhlfahrerin geholfen zu haben und füllt gedanklich Karmapunkte auf und ich hab meine Schokolade.
ABER. ABER!! Wirklich fettes ABER.
EINMAL Hilfe Anbieten ist genug. Und wenn ich sage „Nein“ dann heißt das auch nein. Wenn ich sage „ich schaff das“ mein ich das auch so. Nein heißt Nein. Lernt das.
Wenn ich die Hilfe nicht annehme, und ich dadurch die billige Schokolade essen muss, ist das mein Problem. Aber meistens brauch ich die Hilfe dann wirklich nicht. Es ist auch ganz oft so, dass diese gut gemeinte „Hilfe“ dann nur mehr hinderlich als hilfreich ist.
Es kommt so oft vor, dass ich meine Jacke irgendwo anziehe, und wildfremde Leute herkommen und mir helfen. Ich sag „Nein, es geht“ „Bitte nicht“, aber das wird überhört und „doch doch, ich helf gern.“ Und ich falle mit meinem Oberkörper auf meine Knie nach vorne über, zwick mir meine hände ein und hab Probleme mich wieder aufzurichten. Warum? Jacke anziehen ist für mich der reinste Gleichgewichtsakt. Ich muss mich mit meinem Oberkörper nach vorne lehnen, langsam in einen Ärmel, immer das Gleichgewicht versuchen zu halten (keine Rumpfstabilität) und langsam in den anderen Ärmel. Das geht langsam, weil ich einfach die ganze Zeit ausbalancieren muss. Und dann kommen Leute an, reißen an der Jacke rum. Und solche Situationen gobt es viele. Mir wird etwas aus der Hand genommen, mir werden die Beine bewegt, wenn ich zum Beispiel in der Physio auf die Bank umsetze, ich bekomme eine Spastik und lande auf der Schnauze.
Es ist nett gemeint, ich weiß. Aber es hilft kein Stück, ganz im Gegenteil. Und wenn ich sage „Nein“ versteht das keiner. Manchmal wird ich dann nach dem dritten „Nein, bitte nicht!“ lauter und die Leute sind verdutzt. Ich versteh euch ja auch, aber versteht bitte auch mich. Nein heißt Nein. Und „Finger weg“ heißt „Finger weg.“. Egal in welcher Situation.
Ich hoffe die Leute lernen das. Und respektieren das. Es macht mich oft sehr wütend.
„Amelie du musst lernen Hilfe anzunehmen“
Ja! Ich musste lernen Hilfe anzunehmen. Und das kann ich. Aber ich muss keine Hilfe annehmen, wenn ich etwas alleine kann. Lasst mir doch das bisschen Selbstständigkeit. Warum Hilfe annehmen, wenn es funktioniert?
Warum nicht auf ein „Nein“ hören, wenn es so deutlich gesprochen wird?
Warum nicht auf den Menschen hören, dessen Körper es ist?
Warum nicht einfach mal zuhören?





Freitag, 2. Februar 2018

5 Jahre, was soll ich sagen. Ich Sitz noch immer, shit happens get over it.
Gute Nacht

Dienstag, 23. Januar 2018

Montag, 15. Januar 2018

"Ich wünsche mir, ich wär im Rollstuhl, um auch so cool und selbstbewusst zu sein, wie du!"

Ich hab eine Nachricht bekommen. Und ich bin schockiert
Ein Mädchen schrieb mir:
"Ich wünsche mir, ich wär im Rollstuhl, um auch so cool und selbstbewusst zu sein, wie du!"

Zunächst Danke für das Cool und -selbstbewusst.
Nur soll ich dir was sagen? Ich war schon ohne Rollstuhl so...Vielleicht sogar noch etwas cooler und selbstbewusster.
Aber doch nicht WEGEN dem Rollstuhl. Wegen dem Rollstuhl kritisieren mich vielleicht weniger. Wenn ich sage, dass ich mich mag, sagen die Menschen: "cool, sie ist Selbstbewusst ..(trotz Rollstuhl)". Hätte ich das früher gesagt, hätten alle gesagt, wie eingebildet ich doch wäre. Der Rollstuhl lässt mich meine Selbstbewusstsein also vielleicht offener zeigen. Aber er hat mich nicht selbstbewusst gemacht. Klar lernst du, dass du deine Fresse aufbekommen musst, weil es nichts geschenkt gibt und weil die Leute dich gerne überhören. Aber ich hab schon immer meine Fresse aufgemacht.
Du meinst also wirklich, ein Rollstuhl würde dich selbstbewusster machen? Dann fahr mal durch München, und werde angestarrt, wie ein Außerirdischer. Setzt dich in der Uni abseits auf deinen "behinderten" Platz und schau zu, wie sich alle unterhalten können, weil sie nebeneinander sitzen und du Abgelegen alleine deinen Fall löst. Denkst du wirklich das fördert dein Selbstbewusstsein? Wäre ich nicht schon selbstbewusst, wäre ich mit Sicherheit schon lange kaputt gegangen. Ich hab zu kämpfen. Und ich hab schlechte Tage. Und der -rollstuhl ist daran sicher Mitschuld. Aber an den anderen Tagen ist mein selbstbewusstsein eben wie auch zuvor da.
Das bin ich. Du würdest ein Leben im Rollstuhl auf dich nehmen, für vermeintliches Selbstbewusstsein? Dann fehlt es bei dir aber mehr als nur am Selbstbewusstsein.
Der Rollstuhl hat überhaupt aber wirklich auch gar nichts mit dem Charakter zutun. Du wirst nicht cooler, wenn du im Rollstuhl sitzt. Du wirst aber auch nicht uncooler.


Sie hat mir auch geschrieben, dass sie sehr schüchtern ist und nicht selbstbewusst.
Offensichtlich.
Ich weiß, dass viele Menschen schüchtern sind, und leider viel zu viele nicht selbstbewusst. Schüchtern kann ich nachvollziehen. Aber Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein und Selbstliebe ist
so wichtig. Lernt einfach mal euch selbst zu lieben. Ich hatte da vor 2 Monaten die komplette Einsicht. Du bist du. Und das kannst du nicht ändern. Also lern damit umzugehen. Lerne deine Fehler kennen. Und Lerne auch dazu zustehen. Ich hör mich an wie so ein Prediger. Aber mich macht es einfach traurig, wenn Menschen sich nicht selbst lieben können.
Selbstliebe. Aber gleichzeitig auch Selbstbewusstsein. Seine Schwächen kennen, und auch dazu zustehen, sich seiner SELBST  BEWUSST sein. Man.

Ich kämpfe oft mit mir. Ich würde gerne zunehmen. Schaff ich einfach nicht. Ja und. dann bin ich eben dünn. so what. Weniger Gewicht zu schieben. Mich nervt an manchen Tagen mein Gesicht und ich denk mir "Wie kann man so hässlich sein". Und das ist gut. und vollkommen normal, denn es gibt Tage, da schau ich in den spiegel und denke "geil. ich würd mich nehmen"
Ihr seid geil. Solang ih keine Nazis oder <tierquäler seid, seid ihr geil. Und das soll jeder einzelne endlich verstehen.

Ich weiß, die Welt bekomm ich nicht verbessert. Aber schaut euch heute mal an und denkt: Stimmt. So scheiße bin ich nicht
und wenn ihr das nicht könnt, geilt euch an folgendem auf: Ihr könnt laufen, ich nicht.

Gern geschehen.

an alle die auch nicht laufen können: fällt mir jetzt auch nichts aufbauendes ein. aber ihr heult ja eh allgemein weniger rum. Also: weitermachen.



















Freitag, 29. Dezember 2017

Thx für so viel Liebe :*

So. Weihnachten auch wieder überstanden.
Nein, Ich liebe Weihnachten.
Und an dieser Stelle möchte ich mich auch mal bei euch bedanken. Den fleißigen Lesern unter euch. Und vor allem auch bei denen, die mein Spendenkonto entdeckt und gespendet haben. Für jeden Euro bin ich dankbar. Manche von euch sind schon ziemlich verrückt…oder ziemlich reich oder einfach nur sehr gute Menschen. Vielleicht auch alles 3. Jedenfalls ein riesen Dankeschön! An jeden.
Es ist schön, dass auch nach so langer Zeit noch Menschen an einen denken. Klar, dass am Anfang die Spendenbereitschaft größer ist und gerade am Anfang stehen ja meist noch größere Umbauarbeiten bevor. Aber das Leben im Rollstuhl wird nicht billiger.
(Erst heute haben wir für eine Antriebshilfe für den Rollstuhl eine „Ablehnung“ erhalten, leider. Aber einen Versuch wars wert. Bei der Kasse können wir es gleich vergessen, weil keine Hilfsmittelnummer. Und 7000€ hab ich zurzeit leider nicht über. Aber das ist ein anderes Thema. Heute will ich mich darüber nicht aufregen, soll auch nicht Thema sein)

Also vielen Dank an euch alle. Für das Geld, die vielen lieben Nachrichten und Kommentare!

Was mich ehrlich gesagt etwas erschreckt ist, dass ich auch persönlich Briefe von mir fremden erhalte. Also ich kann verstehen, dass es nett gemeint war. Waren auch meist süße Briefe. Aber nur, weil etwas nett gemeint war, muss ich es nicht so hinnehmen. Ich finde das sogar etwas gruselig. Damit meine ich Nachrichten von Wildfremden. Wer meine Adresse von einem Bekannten hat, mich persönlich nicht  kennt, hab ich gern. Aber nicht von Leuten, die extra recherchieren. Ich sage nicht, dass ich die Briefe scheiße finde, wie gesagt waren sie ja süß. Aber mir persönlich ging das eben zu weit.
Also bitte schreibt mir doch nicht mehr an meine private Addresse, sondern belasst es bei einer nett gemeinten E-Mail oder facebook/instagram Nachricht.
Es beruhigt mich etwas, dass meist nicht die richtige Addresse rausgefunden wurde, aber über Umwege kamen dann doch ein paar Briefe an. Und es gibt genügend Spinner da draußen (va hab ich das Gefühl, nur eklige, ätzende, und alte Säcke haben eine vorliebe für Rollstuhlfahrerinnen. Wo sind die gutaussehenden Rollstuhlfeitischisten? Bewerbung gerne an mich. Ok wieder anderes Thema.)


Zusammengefasst: Danke für so viel Liebe! Bitte keine Briefe mehr von Wildfremden.

Samstag, 16. Dezember 2017

die dümmsten Nachrichten





Ich denke ich werde eine neue Rubrik hier eröffnen: Ein "Best-of-der-dümmsten-Nachrichten"
Als Frau liest man ja viel Blödsinn, wenn man sich solche Dating-Apps antut. 
Aber ich kann euch sagen: Als Rollstuhlfahrern nimmt das nochmal ganz andere Ausmaße an.

Ich werde jetzt also immer mal wieder gescreenshotete Unterhaltungen posten. ( Und das sind leider einige). Gelegentlich auch erklären, warum es so dumm ist. Wie folgender Fall:






"Ist doch nur nett gemeint". Ja nett gemeint, trotzdem scheiße. Allein "stark, dass ich mich im Rollstuhl zeige". Das impliziert doch gerade, dass es anscheinend nicht normal ist, sich im Rollstuhl zu zeigen. Warum? Aus den Jahren sind wir (glücklicherweise) raus, in denen Leute im Rollstuhl weggeschickt wurden. 

So als wären wir im Mittelalter, und alle Hexen und Behinderten werden verbrannt, wenn sie sich zeigen. 
Oder einfach, als wäre es eine krasse Überwindung. 
Hört auf mit dem Schwachsinn. 

Ich sitze im Rollstuhl, mein Rollstuhl ist schön, ich kann ihn zeigen. 
Wofür soll ich mich schämen? 
Warum sollte ich mich nicht zeigen? Warum sollte sich überhaupt jemand nicht zeigen? 





PS: eigentlich steh ich auf Männer mit Brille

PPS: Ich hoffe das Bild ist dabei, bin nämlich ein Technik-Neanderthaler 

Montag, 27. November 2017

ist da jemand

Ja, ich weiß. Schon wieder länger nichts. Ich lebe noch.

Ich hab immer wieder Blogeinträge angefangen, aber nie fertig geschafft.
Auch der, den ich schon auf Reha hatte veröffentlichen wollen, schieb ich noch immer vor mich her. Aber da gehts einfach sehr um Gefühle und meine Psyche, und darüber reden/schreiben ist nicht meins.
Ich will immer, dass  Leute von mir denken ich sei ganz ne harte. Aber bin manchmal eben auch sensibel.
Und in letzter Zeit bin ich sehr sensibel. Schon seit Reha. Ich versuch mich jetzt mal kurz zufassen, nur damit ihr bescheid wisst:
Bin seit ein paar Wochen nicht so auf dem Hochpunkt, eher geh ich gerade durch eines der tiefen Täler, vor denen ich mich immer gefürchtet hab. Die Uni ist stressig, einige Leute, die mich richtig nerven, viel zu tun und keine Zeit für mich. Könnte zur Zeit einfach nur in meinem Bett liegen und an die Decke starren. Hab Zukunftsängste, Angst vor dem nächsten Jahr, Angst im Studium zu versagen. Bin unzufrieden mit meiner Situation, mit meiner Gesundheit. Mit mir. Woran es liegt? An allem. Ich weiß es nicht.
Aber wehe mir schreibt jetzt jemanden, oder ihr hetzt irgendwelche Freunde auf mich, die sich um mich kümmern sollen. Ich reis mich da selbst wieder raus. Nur jetzt noch nicht. Ich hoffe das wird bald besser. Den ganzen Tag grundlos traurig sein, lustlos sein, ist nicht angenehm.
Dankeschön.