Montag, 9. Juli 2018

Versuchs doch mal mit Skifahren!

"Ich hab gesehen, es gibt die Möglichkeit für Rollstuhlfahrer Ski zu fahren, Monoski oder so"
"Auch im Rollstuhl kann man tanzen. Komm, ich zeig dir den Walzer"
"Du kannst wieder reiten, das ist ganz leicht möglich. Da wirst du mit einem Lift auf ein Pferd gesetzt und los gehts"

...

Zunächst bin ich ja schonmal dankbar, wenn Leute wissen, dass Sport auch im Rollstuhl/mit Querschnitt möglich ist. 
ABER. 
Aber.
ABERR!
Es ist nicht das gleiche. 
Und es nervt so unendlich, wenn Leute die keine/ zu wenig Ahnung haben Ratschläge erteilen. 
Mich nervt ja soweiso , wenn Leute wissen zu glauben, was das beste für mich ist. 
Vorschläge gerne! Vorschriften nicht bei mir!

Ich habe Skifahren geliebt. Und ich würde es immer wieder tun. 
Ich habe das Gefühl von Schnee unter den Skiern geliebt. Die Berge. Und bis dahin wäre es vermutlich dasselbe im Rollstuhl/Monoski.
Aber noch mehr habe ich das Gefühl von Freiheit geliebt. Die Geschwindigkeit, das Gefühl, wenn die Ski unter den Füßen in scharfen Kurven vibrieren, das Schnee in den Kurven aufschleudern, das Selbstständige entscheiden wo ich lang fahre. 
Und jetzt in den Monoski:
festgegurtet auf einen Schlitten, kein Ski, weil ich das Gleichgewicht nicht halten kann. Ständig jemand hinter mir, der mich hält, der mich lenkt, der entscheidet wo es lang geht. Ständig Angst, weil du NICHTS kontrollieren kannst. Ständig Angst umzufallen, weil du keine Kontrolle hast. Abhängig sein. Ist das Sport? Merkt ihr was?
Es gibt die Möglichkeit, ja. Aber es wäre etwas komplett anderes. Für mich persönlich. 
Natürlich werde ich es versuchen. Weil ich die Berge liebe, den Schnee. Und wenigstens einen Bruchteil zurück haben will, von dem was ich so geliebt habe. Und ich bin sicher es wird Spaß machen. Ich werde voller Adrenalin sein und glücklich. Aber bei jedem einzelnen Skiausflug als Fußgängerin werde ich glücklicher gewesen sein. Freiheit. 
Ich wäre glücklich, aber umso trauriger wäre ich auch. Weil ich mich daran erinnern werde, wie es früher war. Und ich als alter Verdränger, vermeide solche Situationen liebend gern. Selbstschutz.

Etwas ähnliches wäre das Hundeschlittenfahren. Nur würde mir das vermutlich um einiges mehr Spaß machen. Das würde ich gerne machen. 
Also nicht: Es gibt die Möglichkeit! Mach das.
Wie wärs mit: Hast du Lust drauf?
Ich sag doch auch nicht: Hast du gehört? Man kann Leichtathletik turnen. Mach das doch.


Reiten. Gleiches Spiel. Ich kann mich auf ein Pferd setzen lassen. Ja. Ich werde immer jemanden hinter mir haben müssen, der mich hält. Werde nie Schenkelhilfen geben und entscheiden wo es lang geht. Werde nie ohne die ständige Angst herunterzufallen, weil ich mich nicht halten kann, sitzen. Werde das Pferd nicht unter mir spüren. 
Auf ein Pferd setzen werde ich mich trotzdem wieder. Ebenfalls um ein kleines Stück vom alten Glück zu empfinden. Und weil es für Spastik und Stabilität gut ist. Aber es ist nicht mehr das reiten, das ich kenne.

Auch tanzen hat mir Spaß gemacht. Aber tanzen im Rollstuhl hab ich versucht und es macht mir null Spaß. Ich fühle mich affig und beschämt mich. Warum zwanghaft das alte Leben zurück wollen?
Es gibt anderes. 
Rugby. 
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, als Fußgängerin Rugby zu spielen. Ich kenne keine einzige Regel, hab noch nie ein Spiel gesehen. 
Aber Rollstuhlrugby ist geil. Und das ist mit Fußball vergleichbar. Es geht um Taktik, Teamfähigkeit, Überblick. Selbst entscheiden können, wohin man fährt. Wo man sich nützlich machen kann. Sich verausgaben. Das ist geil. 
Rollstuhlrugby ist nicht wie Fußgängerrugby. Und das ist gut, das macht mir Spaß. Das will ich.
Ich bin früher nur Fahrrad gefahren, wenn ich wohin musste. Mit meinem Hund unterwegs war. Nie als Sport. 
Jetzt fahre ich Handbike. Und es ist das geilste Gefühl. Und das ist vergleichbar mit joggen. Man verausgabt sich, ich bin unabhängig, entscheide wo ich hinfahre. Das macht mir Spaß.

Nur weil du als Fußgänger einen Sport gemacht hast, heißt das nicht, dass dir das gleichnamige  als Rollstuhlfahrer Spaß macht. Natürlich kommt das häufig vor.
Und für viele ist das Skifahren als Fußgänger und das Monoski gleich gesetzt. Jemand, der nie Skigefahren ist, findet vielleicht gefallen am Monoski-fahren. 
Aber ich eben nicht.
Und ich entscheide selbst was mir Spaß macht.
Und es nervt, dass Leute einen in etwas Stecken wollen, weil es mir als Fußgängerin Spaß gemacht hat. 
Es ist anstrengend.

und was ihr zumeist von mir als Antwort auf eine der eingangs erwähnten fragen hören werdet:

"Ja, hab ich gehört. Macht bestimmt genauso viel Spaß. Werde ich versuchen."

Weil Leute es sowieso nicht verstehen werden. 










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