Behindertentoiletten und wie viel sie über Inklusion aussagen.

Situation 1:
Ein Video geht auf Facebook steil. Ein Mann betritt die Toilette, offensichtlich in großer Eile schnellstmöglich sein Geschäft verrichten zu können. Alle Toiletten sind besetzt. Alle? Nein. Eine ist frei: die Behindertentoilette. Er überlegt -  auf der Stille trippelnd - offensichtlich unter hohem Druck.
Er entschließt sich hineinzugehen. Trotz offensichtlicher Dringlichkeit nimmt er 3849 Schichten Klopapier und stapelt es auf der Klobrille. Trotz vieler Schichten versucht er so wenig wie möglich von der Toilette zu berühren. Video endet. Alle lachen.
Kommentare: Hahaha, kenn ich! - Ist so! Auf der Behindertentoilette immer struggle. - .

Besagte Toiletten befinden sich nicht etwa an einer Raststätte, wir sind auch nicht Nachts in nem Club, wo jeder das Problem wohl kennen dürfte. Wir befinden uns in einem stinknormalen Bürogebäude, alle Toiletten sauber. Nur die eine Kabine ist zusätzlich für behinderte Menschen.
Woher dieser Ekel? Woher diese Abneigung?
Ich sag euch jetzt mal etwas:
Behindertentoiletten sind wohl die saubersten überhaupt. Nehmt ihr Desinfektionsspray und Handdesinfektion mit in die Kabine? Ich glaube nicht. Jeder Rollstuhlfahrer, der Kathetert (und ich möchte mal behaupten das sind die meisten), weiß wovon ich rede. Wir desinfizieren ALLES. Blasenentzündungen stehen bei mir an der Tagesordnung. Ohne Desinfektion würde ich wohl durchgehend Antibiotika nehmen dürfen. Also ihr könnt sicher sein, wir achten da peinlichst genau auf Sauberkeit.
Ich nehme jetzt allein die Rollstuhlfahrer. Wenn ich sage Menschen mit Behinderung meine ich zumeist diese. Ich weiß, dass es die unterschiedlichsten Behinderungen gibt, gleich ob taub, blind usw. Ich spreche für mich und meine Erfahrung, die ich mit dem vielen Kontakt zu anderen gemacht habe)
Und wer sich alleine nicht desinfizieren kann, hat jemanden dabei, der das - meistens sogar noch gründlicher - übernimmt.
und zweitens: Die wenigsten Rollstuhlfahrer/Querschnittler werden die Zeit finden, auf öffentlichen Toiletten ihr großes Geschäft zu verrichten. Also allein das diese zwei Gründe zeigen, dass der Ekel total unbegründet ist. Daher versteh ich es nicht.
Und das Video zeigt wunderschön ein großes Problem, das es auch im 21. Jahrhundert noch gibt: Ekel vor Menschen mit Behinderung.
Das klingt krass, aber nichts anderes zeigt dieses Video und die Kommentare.
Und ich versteh es nicht, denn ich hab gemerkt: Menschen mit Behinderung sind die saubersten.
Wer selbstständig ist, sich waschen kann, alleine aufs Klo geht, wäscht sich, desinfiziert sich. Mehrmals am Tag. Einfach weil durch das Kathetern die Infektionsgefahr so groß ist. Wer das nicht kann, wird gewaschen. Und ich kann euch sagen: niemals hab ich mich öfter gewaschen, als zu Beginn im Krankenhaus. Denn wer sich nicht selbst waschen kann, bekommt Hilfe. Und bei jemand anderem achtet man bekanntlich umso mehr auf Sauberkeit.
Ich fand das Video verletzend. Auf YouTube ist es zum Glück nicht mehr abrufbar und auf Facebook hab ich es nie mehr gesehen.


Situation 2:
Behindertentoiletten sind anscheinend solange ekelhaft, bis Mann (!!) scheißen muss.
Denn dann sind diese - zumeist abgeschiedenen Toiletten - ein Segen.
Wie oft warte ich ewig lange an der Uni vor der Toilette für Rollstuhlfahrer, um dann von einem laufenden Mann, mittleren Alters, die Tür geöffnet zu bekommen, der mich peinlich berührt (wenigstens das!) ansieht, und ich erstmal warten muss, weil ich mich sonst übergebe. Empfindliche Nase. Sorry. Und funfact: Diese Leute haben von Desinfektion noch nie was gehört, was kein Problem wäre, wenn sie wenigstens wüssten, dass die Klobürste nicht nur zu Demozwecken da ist. So viel zu Ekel vor Menschen mit Behinderung.
Wisst ihr, ich finde es völlig in Ordnung, wenn die Behindertentoilette von allen genutzt wird. Bei jeder anderen Toilette muss man auch warten. Aber gleiches Recht für alle - und nicht nur die Behindertentoilette als Scheißhaus missbrauchen.
Gut ist auch immer wieder der Spruch: "Die hier ist so schön in der Nähe, die normale Toilette ist ein Stockwerk höher."
Wo ich mir dann denke: schämst du dich nicht? Einer Rollstuhlfahrern zu sagen, dass ein Stockwerk zu laufen zu anstrengend ist.
Ich hab das Privileg, dass mein Rollstuhl schmal ist. Ich kann mich in manche normale Toiletten quetschen, was immer Millimeter Arbeit ist, und ideal komm ich nicht immer an das WC.
Aber meistens, bin ich auf die Rollstuhltoiletten angewiesen. Stufen versperren den Weg, oder due Türen sind doch zu eng. Ich kann nicht eben das eine Stockwerk hochlaufen. Auch eine einzige Stufe hält mich ab.
Wenn ihr nur ungestört auf scheißen könnt, tut mir das Leid. Aber ich bezweifle, dass es Rechtfertigung ist, die wenigen Rollstuhlwc's zuzuschießen. Sorry. Eigentlich nicht sorry.
Aber sorry an alle, die tatsächlich auf die Behindertentoilette angewiesen sind und die ich fälschlicher weise böse ansehe.
Nein, Witz. Rollstuhltoiletten sollten mehr, als nur für Behinderte sein und das will ich anhand der nächsten Situation verdeutlichen. Allein die - Ich-benutze-die-behindertentoillete-nur-zum-kacken-Menschen sind unerwünscht. Wie gesagt gleiches Recht für alle.


Situation 3:

Transgender beschweren sich, wenn sie sich für die Behindertentoilette entscheiden (müssen). "Ich bin nicht behindert". Verständlich. Absolut verständlich. Transgender ist keine Behinderung.
Aber das zeigt eben auch wieder wie "Behinderung" angesehen wird. Als etwas schlechtes. Als etwas, zu dem man sich als normaler Mensch nicht zuordnen will.
Natürlich ist Transgender keine Behinderung, keine Krankheit. Aber Behinderung sollte auch nicht so abwertend gesehen werden.
Als Transgender hat man zumindest die Möglichkeit wie jeder andere wenigstens eine Toilette aufzusuchen. Als Rollstuhlfahrer ist das bei zu engen Türen, Treppen, engen Kabinen, unpraktischen Toiletten noch viel zu häufig unmöglich.
Ich hab ein Video einer Trans-Frau gesehen, die etwas in die Richtung meinte von wegen "und dann musste ich tatsächlich auf die Behindertentoilette gehen!!!!". Es ist keine Schande Behindert zu sein.
Aber wie bei Situation angedeutet, finde ich, dass Behinderten-Toiletten eben nicht nur für Behinderte sein sollten. Eher so etwas wie ganz einfach dritte Toiletten, für alle, denen es schwer/nicht Möglich ist- aus welchen Gründen auch immer-, auf die anderen zu gehen.



Ich persönlich Feier es, wenn in den normalen Toiletten eine Kabine für Rollstuhlfahrer ist. Ich hab schon ganz vergessen wie es ist, neben anderen Leuten zu pinkeln. Das erste Mal war nach 4 Jahren, als eine Gaststätte in unserem Ort die Toilette umgebaut hat und in der normalen Toilette einfach eine breitere Kabine eben für Rollstuhlfahrer eingebaut hat.
Ich saß da aufm Klo, hab gehört wie jemand  neben mir das gleiche macht und haha es war so geile Normalität. Ich hatte ganz vergessen wie das ist. Das ist Inklusion.














Kommentare

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  2. Am besten wäre es, nur noch extra große Toiletten für alle anzubieten. Da können Männer, Frauen, Intersexuelle, Trans, etc. mit und ohne Behinderung rein und fertig.

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  3. Mmh, ich kenne das Video aus Situation 1 nicht, aber... ich mache das auch so. Also immer. Das hat (vielleicht) gar nix damit zu tun, dass das die Toilette für Behinderte ist...

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  4. Hi Amelie!

    Ich glaube nicht, dass sich Leute vor einer Behinderung ekeln. Nein, das glaube ich einfach nicht. Und vielleicht solltest du auch aufhören, das zu glauben. Bringt nix, ist unwahr und irrelevant. Und wenn du damit aufgehört hast, wird's dir besser gehen.

    Beste Grüße
    Ron

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    1. Woher willst du wissen, dass es unwahr ist?

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    2. Ganz einfach: ich mache die Tür zur Toilette auf und gucke rein. Dann warte ich vor der Tür. Ich begleite öfter Menschen im Rollstuhl irgendwohin, und zu solchen Ausflügen gehört natürlich auch ein Toilettenbesuch. Es handelt sich nicht um immer die gleiche Toilette. Und ich spreche vom Rhein-Main-Gebiet.

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